Daniela Krien „Die Liebe im Ernstfall“

Bücher über Frauen Ende Dreißig, die sich gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden, scheinen gerade sehr in Mode. Da ich mich selbst auch in dieser Phase befinde, üben diese Bücher eine natürliche Anziehungskraft auf mich aus. Immer getrieben von dem Wunsch, auf andere Lebensentwürfe zu schauen, andere Perspektiven kennenzulernen und vielleicht etwas für das eigene Leben daraus zu nehmen.

Egal ob „Jesolo“ von Tanja Raich, „Mutterschaft“ von Sheila Heti oder eben „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien, es geht immer um die großen Fragen im Leben: Ist es besser, Kinder zu bekommen – oder nicht? Ist es besser, sich festzulegen auf einen Mann – oder nicht? Was muss man aufgeben, um Karriere zu machen – und was muss man opfern, um eine Familie zu haben?

Daniela Krien nimmt uns mit in die Lebensentwürfe von fünf Frauen, deren Geschichten durch das Schicksal lose miteinander verbunden sind: Paula, Judith, Brida, Malinka und Jorinde. Aufgewachsen an den Grenzen der DDR, steht ihnen das Leben offen, obwohl es nicht immer so läuft wie geplant.

Da ist Paula, die ihren Mann an einem heißen Sommerabend kennenlernt. Sie bekommen ein Kind, doch dieses Kind stirbt und die Beziehung zerbricht.

„Wie ein Abgrund ist Paula, wie ein tiefes schwarzes Loch, in das man Verständnis, Geduld und Liebe hineinwirft, und alles versinkt in der Tiefe, ohne auch nur einen Hall zu erzeugen.“ Dabei hätte alles so gut sein können, dabei war es das einmal – gut. Als Paula mit Ludger zwei Töchter hatte und all diese Träume. Doch dann stellte sich heraus, dass ihre Träume nicht dieselben waren, dann schlug das Schicksal zu – und machte Paula zu einem Abgrund. Hilflos dabei zusehen musste ihre Freundin Judith, die sonst nie hilflos ist, im Gegenteil. Sie ist eine selbstbestimmte Frau, Ärztin, Single und passionierte Reiterin: „Im Zweifel zog Judith die Gesellschaft des Tieres der Gesellschaft anderer Menschen vor.“ Und viele Männer zu haben, denkt Judith, ist schön, nur einen zu haben, wäre aber vielleicht auch schön.

Daniela Krien, die Liebe im ernstfall

Da ist  Judith, ihre beste Freundin, intelligent, selbstbestimmt, freiheitsliebend, die sich den Umweg zu ihren Männern durch das Bett sucht.

Da ist Brida, Schriftstellerin, die hadert ihrem Anspruch als Mutter und Schriftstellerin gleichermaßen gerecht zu werden.

Und da sind Malika und Jorinde: Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine beruflich und privat Enttäuschungen erlebt, scheint der anderen alles zuzufliegen. Und doch ist am Ende nichts wie es scheint.

Daniela Krien versucht keine Antworten auf diese Fragen zu geben, sondern sie erzählt einfach gute Geschichten. Mit wenigen Worten vermag sie es, ihre handelnden Personen zu umreißen und so zum Leben zu erwecken. In einer wunderbar klaren, warmherzigen Sprache. Also unbedingt lesen!

Daniela Krien: „Die Liebe im Ernstfall“. Diogenes Verlag, Zürich 2019. 288 S., 22,– Euro.

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