Meine Bücher im Dezember

Im Dezember habe ich neben Weihnachtsgans und Plätzchen nur vier Bücher geschafft zu lesen. Besonders Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“ hat bei mir lange nachgewirkt.

Mingels schreibt in kurzen Kapiteln von einer brüchigen amerikanischen Kleinstadtidylle und von Menschen auf der beständigen Suche nach Nähe und Geborgenheit. Die Menschen, um die es geht, haben es entweder zu etwas gebracht oder stehen am Beginn vielversprechender Karrieren. Mingels erzählt vom Leben der amerikanischen Mittelschicht allerdings ohne politischen Bezug. Ihre Protagonisten leben in abgesicherten Verhältnissen, Geld ist nicht das Problem. Die Unzufriedenheit und das Ungenügen scheinen in den Menschen selbst verankert zu sein. Immer wieder haben sie das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Die vorläufige Lebensbilanz, die sie ziehen, fällt kaum je zur Zufriedenheit aus. Manche wollen ausbrechen aus den bisherigen Lebensbahnen, merken jedoch, dass die einmal eingeschlagenen Wege nicht einfach umkehrbar sind.

Rolf Lapperts „Nach Hause schwimmen“ ist ebenfalls eine Leseempfehlung. Lappert erzählt vom nur 1,50m großen Wilbur scheint vom Pech verfolgt. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, seine Großmutter bei einem Unfall und sein bester Freund kommt in eine Besserungsanstalt. Erst die eigensinnige Aimee hilft ihm, sein Leben selbst in den Hand zu nehmen. Die Geschichte ist herzerwärmend und genau das Richtige für die dunklen, kalten Januartage.

Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“, Penguin Verlag, München 2020, 348 Seiten, 20 Euro

Rolf Lappert, „Nach Hause schwimmen“, Hanser Verlag, 2008, 450 Seiten, 12 Euro

Joceline Saucier, „Was dir bleibt“, Insel, Berlin 2020, 253 Seiten, 22,70 Euro

Stefan Bachmann, „Palast der Finsternis“, diogenes Verlag, 2019, 400 Seiten, 12. Euro

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