Tana French „Der dunkle Garten“

Während ich gerade über den Wolken nach London fliege, möchte ich doch gern ein paar Worte zu Tana French`s neuem Buch „Der dunkle Garten“ verlieren. Ein Geständnis vorab. Ich bin großer Tana French Fan, habe alle ihre Bücher gelesen und freue mich bei jedem neuen Buch Wochen vorher auf den Erscheinungstag. Auch bei „Der dunkle Garten“ war dies natürlich nicht anders. Noch am Abend des Erscheinungstages stand ich in der Buchhandlung meines Vertrauens und habe es gekauft.

„Ich habe ohnehin erst spät verstanden, was Glück sein kann, wie herrlich griffig und trügerisch, wie unnachgiebig verdreht und verknotet in seinen ganz eigenen Verstecken. Und wie tödlich.“

Tana French „Der dunkle garten“

Tana French erzählt die Geschichte von Chris, dem das Glück im Leben nur so zuzufliegen scheint. Angesehener und hipper Job in einer Kunstgalerie, hübsche und warmherzige Freundin und tolle Freunde und Familie. Dieses Selbstvertrauen in das eigene Glück wird eines nachts erschüttert, als er in seiner eigenen Wohnung überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt wird. Von da an ein körperlich beeinträchtigt, zieht Toby mit seiner Freundin zu seinem Onkel aufs Land, um den an einem Gehirntumor erkrankten zu unterstützen.

Dann wird in einem hohlen Stamm einer Ulme das Skelett eines ehemaligen Mitschülers gefunden wird, und deuten alle Zeichen auf Mord. In den polizeilichen Vernehmungen wird der bereits verunsicherte Toby bis ins Mark erschüttert. Außerdem scheinen sein schwuler Cousin Leon und mehr noch seine smarte Cousine Susanna subtil Beweise gegen ihn aufzuhäufen – bis er zuletzt befürchtet, er selbst könne vor zehn Jahren den Klassenrüpel Dominic erwürgt und in die Ulme gestopft haben, ohne sich daran erinnern zu können.

Spannend wird dieses Buch durch das Spiel mit dem Leser, also uns. Man kann dem Ich-Erzähler und seiner irgendwann nicht mehr wirklich trauen. Ein geschickter Zug: Was ist also Wahrheit und was Paranoia oder aber: Führt der Protagonist seine Mitmenschen – und uns – nur an der Nase herum?

Tana French findet eine markante, klare Sprache und starke Bilder, um die Veränderung von Toby, dem einstigen „Everybody`s Darling“ in einen jähzornigen, unsicheren Menschen darzustellen. Auch wenn das Buch über weite Strecken die Spannung vermissen lässt und vielmehr einem tragischen Familienroman gleicht, bleibt man doch dran, um sich am Ende die Frage aller Fragen eines Krimis beantworten zu können: Wer war`s?

Tana French: „Der dunkle Garten“, Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Scherz Verlag, Frankfurt am Main 2018, 656 Seiten, 16,99 Euro

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