Meine Bücher im Herbst – Teil 2

Hier kommt die Herbstschau – Teil 2. Der September war ein bunter Lesemonat. Von einem spannenden Thriller, über einen Familienroman bis hin einem Essay über das Allein sein war alles dabei.

Daniel Schreibers Essay „Allein“ erkundet Einsamkeit in der Pandemie. Das Persönliche verwebt er geschickt mit dem Gesellschaftspolitischen. Der Schriftsteller ist einer von 17,5 Millionen Menschen in Deutschland, die allein leben und schaut in seinem neuen Buch, wie er die letzten anderthalb Jahre allein verbracht hat und warum das Allein sein in der Gesellschaft immer noch als noch als Scheitern gilt. Das Persönliche verwebt er geschickt und unverkrampft mit kulturhistorischen Reflexionen und ak­tuel­len wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Psychologie, Sozialforschung, Queer Studies und Medizinwissenschaft. Ich fand Schreibers Reflektionen sehr inspirierend und habe mich in vielem sehr wiedergefunden.

Caroline Rosales beschäftigt sich in ihrem Debütroman mit der Frage, warum Frauen jenseits der vierzig oder fünfzig in unserer Gesellschaft zunehmend unsichtbar werden. Mit Melanie hat eine Romanfigur erschaffen, die versucht, mit all den Widersprüchen und Zumutungen für Frauen, die nicht mehr „jung“ sind, zurechtzukommen. Melanie ist erfolgreiche Journalistin, sie ist Mutter einer Tochter, die ganz anders ist, als Melanie sich das gewünscht hätte. Und Melanie ist die Tochter einer zunehmend pflegebedürftigen Mutter, zu der sie ein angespanntes, von früheren Verletzungen geprägtes Verhältnis hat. Als LeserInnen sind wir ZeugInnen, wie Melanies an der Oberfläche erfüllt und glamourös scheinendes Leben nach und nach Kratzer bekommt und Melanie sich einem Abgrund nähert.

Dann habe ich mir zum Ende des Septembers noch den lang erwarteten neuen Thriller von Yassin Musharbash gegönnt. In seinem neuen Politthriller geht es um die Macht der Fake News, die Gefahren von Desinformation und Lügenkampagnen, über die Grenzen des Journalismus und über Berlin als ewige Hauptstadt der Spione. Wir folgen wieder Merle Schwalb in ihrem Alltag als Investigativjournalistin. Ihr fällt beim Essen in Neukölln ein Mann neben den Tisch. Kein Racheopfer im Clan-Alltag, sondern ein Russe, ein Agent. Mit ihren Zeitungskollegen nimmt Schwalb eine gefährliche Recherche auf und erlebt, wie die russischen Akteure mit ihrem Mix aus Ködern, falschen Fährten, Desinformation und Information eine explosive Mischung anrichten. Der Plot ist spannend, gut konstruiert und packend. Definitiv eine Leseempfehlung.

Douglas Stuart; „Shuggie Bain“; Hanser, Berlin; 2021; 496 Seiten; 26 Euro

Daniel Schreiber; „Allein“; Hanser; Berlin 2021; 160 Seiten; 20 Euro

Caroline Rosales; „Das Leben keiner Frau“; Ullstein Hardcover; 30. August 2021; 240 Seiten; 22 Euro

Yassin Musharbash; „Russische Botschaften“; Kiepenheuer & Witsch; 2021; 398 Seiten; 16 Euro

Charlotte Wood, Ein Wochenende; Kein&Aber-Verlag; 2020; 288 Seiten; 22 Euro

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