Meine Sommerlektüre

Der Sommer neigt sich schon fast wieder dem Ende entgegen. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und ich komme nach Urlauben und langen Wochenenden an Brandenburger Seen nun auch mal wieder dazu, meine Sommerlektüre zu rezensieren.

Nach einer Empfehlung meiner Lieblingsbuchhändlerin habe ich nun endlich Tove Ditlevsen gelesen und bin schwer begeistert. Ich habe die drei Bände der Kopenhagen Trilogie direkt in einem Rutsch gelesen. In Dänemark ist Tove Ditlevsen seit Jahrzehnten eine bekannte Schriftstellerin und nun hat sie auch postum hier in Deutschland Bekanntheit erlangt. In der Kopenhagen Trilogie schildert sie minutiös ihr Aufwachsen im Kopenhagener Armutsviertel, ihre frühe Liebe zu Büchern ganz besonders der Lyrik and ihren Wunsch, ein Buch zu veröffentlichen, der sie immer wieder antreibt.

Tove Ditlevsen erzählt nah am inneren Erleben. Es gibt fast keine Lücke zwischen Ereignis und Erlebnis. Man folgt ihr gern, auch an die dunklen Orte von Abtreibung, Alkohol und Drogensucht. Es sind drei wunderbare schmale Bücher, die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Lang nachgehallt hat in mir auch Helga Schuberts „Vom Aufstehen“, eine Sammlung an Geschichten, die ihr Leben erzählen. Gleich mit der ersten Geschichte aus ihrer Kindheit, in der Hängematte liegend im Garten ihrer Großmutter zwischen zwei Apfelbäumen, wo ihr am ersten Tag der Sommerferien nach dem Mittagsschlaf der Duft von Streuselkuchen in die Nase stieg, hat sie mich sofort in ihren Bann gezogen. Ihr ganzes Leben ist geprägt von der nicht liebesfähigen, distanzierten Mutter, um deren Liebe und Zuneigung Helga Schubert doch ringt. Sie beschreibt in sanftmütiger Beharrlichkeit ihr Aufwachsen in der DDR, ihre ersten schriftstellerischen Erfolge und den Mauerfall, der als Befreiung aus der DDR wahrgenommen wurde. Es ist ein sanftes Buch, in dem kein Wort zu viel ist und das mir lange als Gefühl geblieben ist.

Lang erwartet habe ich Daniela Kriens neues Buch „Der Brand“. Darin erzählt sie mit einem gnaden-, aber nie mitleidlosen Blick ein, was ein Eheleben aushalten muss. Ich kann sagen, es ist definitiv so gut wie der Vorgänger „Die Liebe im Ernstfall“. Rahel und Peter heißen dessen Protagonisten, ein in Dresden lebendes Paar, das auf bald 30 Ehejahre zurückblickt und, so scheint es, langsam auf einen unaufgeregten Lebensabend zusteuert. Eine Stornierung in letzter Minute zwingt die beiden ihre Urlaubspläne zu ändern und statt in Oberbayern zu wandern, sich um den maroden Hof einer Freundin in der Uckermark zu kümmern. Drei Wochen verbringt man dort, drei Wochen, die den Roman strukturieren und alles, was diese Ehe an latenten Problemen aufweist, schrittweise ans Tageslicht bringen. Zwischen nachlassendem sexuellen Interesse, Schwierigkeiten im Beruf, anstrengenden Kindern spürt man doch immer wieder die Liebe und Zuneigung der beiden und ihr Wunsch, einander und ihre Beziehung nicht aufgeben zu wollen. Beide suchen nach einem Weg, ihre Ehe weiterzuleben und dabei auch den veränderten, individuellen Bedürfnissen Raum zu geben. Daniela Krien gelingt es in schlichter Sprache, weitestgehend ohne Stereotype, spürbar zu machen was in diesen mit sich und der Welt ringenden Figuren vor sich geht. Fazit: Unbedingt lesenswert.

Hier sind all meine Sommerbücher:

Tove Ditlevsen; „Kindheit“; Aufbau Verlag, 2020. 118 Seiten, 18 Euro

Tove Ditlevsen; „Jugend“; Aufbau Verlag, 2020. 125 Seiten, 18 Euro

Tove Ditlevsen; „Abhängigkeit“; Aufbau Verlag, 2020. 130 Seiten, 18 Euro

Jemma Wayne; „Der silberne Elefant“, Eisele Verlag, 2021, 432 Seiten, 25 Euro

Angela Lehner; „Vater Unser“; Hanser; 2020; 288 Seiten, 11 Euro

Laura Karasek; „Drei Wünsche“; Eichborn Verlag; 2019; 368 Seiten; 20 Euro

Helga Schubert; „Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten“; dtv, München; 2021; 222 Seiten; 22 Euro

Young-ha Kim; „Aufzeichnungen eines Serienmörders“Cass Verlag, Bad Berka 2020; 152 Seiten; 20 Euro

Jovana Reisinger; „Spitzenreiterinnen“; Verbrecher Verlag; Berlin 2021; 270 Seiten; 20 Euro

Daniela Krien; „Der Brand“; Diogenes; Zürich 2021; 272 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im April

Die Zeit rast und ich komme erst jetzt dazu, einmal kurz meine Bücher vom April vorzustellen.

Wer gern etwas über Hannah Ahrendt als eine der wichtigsten Denkerinnen und Philosophinnen des 20. Jahrhunderts erfahren möchte, Biographien aber oft als etwas zu trocken und langatmig empfindet, ist bei Hildegard Keller genau richtig. Am Ausgangspunkt des Romans bricht Hannah Arendt auf zu ihrer letzten Sommerreise ins Tessin im Juli 1975. Auf dieser Erzählebene folgt Keller den Spuren der Sehnsuchtsreisenden Arendt, die in Tegna bei Locarno seit 1969 ihr Refugium gefunden hatte. In einem zweiten Handlungsstrang umkreist sie die Vorgeschichte der erregten Debatte um das Eichmann-Buch und lässt in erfundenen Dialogen Freunde und Weggefährten der Heldin auftreten. Das ist spannend erzählt und lässt einen Hannah Ahrendt besser kennenlernen.

Als große Südtirol Liebhaberin habe ich auch Marco Bolzanos „Ich bleibe hier“ gern gelesen. Marco Bolzano erzählt die fiktive, aber realitätsnahe Geschichte der Volksschullehrerin Trina und anhand ihrer die Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert. Trina, in Graun, einem kleinen Dorf aufgewachsen, möchte dort mit Mann und ihren beiden Kindern bleiben. Die Politik reisst die Familie jedoch auseinander. Die Tochter schließt sich heimlich der Schwägerin an und entscheidet sich, nach Deutschland zu gehen, der Sohn wird begeisterter Hitler Anhänger.

Marco Balzanos Roman „Ich bleibe hier“ ist eine Erzählung über Verluste, über den Verlust eines Kindes, eines Dorfes, einer Heimat, einer regionalen Identität. Es ist zugleich aber auch eine Erzählung über den Widerstand.

„Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ hatte ich schon lange zuhause auf meinem Nachtisch, bevor ich es kürzlich, wie im Sog gelesen habe. Zu Recht zum Buch des Jahres vom Wallstreet Journal gewählt, erzählt Brunt die Geschichte von June, die ihren engsten Vertrauten, Onkel Finn verliert. Die Geschichte spielt in den 80-er Jahren, in denen Aids noch eine tabuisierte Krankheit war über die man nicht sprach. June verliert ihren Onkel und gewinnt auf der anderen Seite einen neuen Freund hinzu. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Mitgefühl, manchmal hart an der Grenze zum Kitsch aber dennoch unbedingt lesenswert.

Hildegard Keller; „Was wir scheinen“; Eichborn Verlag, Köln 2021; 544 Seiten, 24 Euro

Marco Bolzano; „Ich bleibe hier“; Diogenes Verlag, Zürich 2020; 288 Seiten, 22 Euro

Carol Rifka Brunt; „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“; Eisele Verlag; 480 Seiten; 12 Euro

Ottessa Moshfegh; „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“; Liebeskind; München 2018; 316 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im März

Meine gelesenen Bücher im März könnten unterschiedlicher nicht sein: Ein Identitätssuchebuch, ein Kriminalroman, eine Dystopie und ein Beziehungsroman. Es ist also für jeden was dabei und ich muss sagen, alle Bücher haben mich auf eigene Weise begeistert.

Mirna Funk erzählt in „Zwischen Du und Ich“ von Nike, einer in Berlin lebenden Jüdin, die nach Tel Aviv geht, um ihre jüdische Identität besser zu verstehen aber auch um ein persönliches Trauma endlich verarbeiten zu können. Es passiert einiges auf den 302 Seiten und das Ende kommt überraschend. Hier ist sicher noch nicht alles auserzählt.

Wer sich für die potentiell technik-gesteuerte Zukunft interessiert, ist bei Artur Dziuks „Das Ting“ genau richtig. Artur Dziuk hat für seinen futuristischen Debütroman „Das Ting“ erfunden. Das ist eine Optimierungs-App, die ihre Anwender mit klugen Lebensratschlägen versorgt – ihnen aber auch schleichend Denken und Fühlen abnimmt. Hier hält die Spannung bis zum Schluss.

Spannend erzählt Candice Fox auch in „Dark“ von vier ganz unterschiedlichen Frauen, die zusammenfinden, um das Leben einer Fünften zu retten. Schauplatz ist das dunkle, verkommene Los Angeles. Ein guter Page Turner, der die hohe Spannung hält.

Am meisten begeistert hat mich im März Kühmels Debütroman „Kintsugi“. Die Handlung ist schnell erzählt: Ein schwules Paar, der ältere Freund und dessen Tochter treffen sich im Wochenendhaus in der Uckermark, um die 20-jährige Beziehung von Reik und Max zu feiern. Doch unter der harmonischen Oberfläche brodelt es. Abwechselnd erzählen die Vier in langen Monologen die Vorgeschichten ihrer Beziehungen. Dabei schafft es Kühmel die vier Protagonisten nachvollziehbar und glaubwürdig von ihren Gefühlen und Gedanken erzählen zu lassen. Das entfaltet eine Sogwirkung, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Kühmels Roman ist ein psychologisch raffiniertes Kammerspiel im Quadrat und eine ganz klare Leseempfehlung.

Mirna Funk „Zwischen Du und Ich“; dtv; München 2021; 302 Seiten; 22 Euro

Artur Dziuk „Das Ting“; dtv; München 2020; 444 Seiten; 18 Euro

Miku Sophie Kühmel „Kintsugi“; S. Fischer; Frankfurt a.M. 2019; 297 Seiten; 21 Euro

Candice Fox „Dark“; Suhrkamp; Berlin 2020; 394 Seiten; 16 Euro

Meine Bücher im Februar

Nun ist der März schon wieder halb ins Land gegangen bevor ich dazu gekommen bin, auf meine Februarlektüre zurückzuschauen. Vier Bücher sind es geworden und ich spüre, dass es mir nach Monaten im Lockdown in dieser Pandemie irgendwie schwerer fällt, mich auf`s Lesen zu konzentrieren und auch Entspannung zu finden.

Bei zwei von den unten stehenden vier Büchern ist es mir allerdings gut gelungen. David Schalkos „Bad Regina“ ist wunderbar verschroben, abgründig und aberwitzig. Unschwer lässt sich in Bad Regina das damalige und heutige Bad Gastein erkennen. Einst wegen seiner Thermalquellen berühmt, im 19. Jahrhundert zum mondänen Sommerkurbad Europas aufgestiegen mit majestätischen Belle-Époque-Hotelbauten, die in dieser Größe nach Wien und Berlin passen, aber eigentlich nicht in ein kleines Dorf an einem Alpenhang. Heute von urbanen Hipstern aus Berlin und Wien in einen Ort mit leicht heruntergekommenen Designhotels verwandelt.

In dieser Kulisse entspinnt sich die aberwitzige Handlung um die noch verbliebenen 46 Einwohner und den zwielichtigen chinesischstämmigen Immobilienunternehmer Chen, der die Häuser des Ortes von den Einwohnern nach und nach aufkauft. Das macht einfach Spaß zu lesen und ist wunderbar zerstreuend.

Das zweite Buch, das mich im Februar begeistert hat, war Dolly Aldertons „Gespenster“. Alderton erzählt vom typischen Leben der Mitdreißiger in der Großstadt. Das Buch hat alles, was man sich so vom einem Zeitgeist-Buch wünscht: eine sympathische Protagonistin, eine beste Single-Freundin, Familienprobleme und natürlich die besten Dating-Geschichten. Dolly Aldertons Gespenster ist ein smartes, zeitweise bewegendes Buch über alle möglichen Arten und Unarten moderner Beziehungen. Diese, die dich hoffen lassen und diese, die dich erwachsen werden lassen. Modern. Cool. Lesen!

David Schalko, „Bad Regina“ Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021. 400 Seiten, 24 Euro

Dolly Alderton, „Gespenster“, Hoffmann und Campe, 2020, 384 Seiten, 22 Euro

Nora Bossong, „Schutzzone“, Suhrkamp Verlag, Berlin, 336 Seiten, 24 Euro

Joey Goebel, „Irgendwann wird es gut“, Diogenes, 2019, 320 Seiten, 14 Euro

Meine Bücher im Januar

Es ist Ende Januar und die Corona Pandemie hat unser Leben weiterhin fest im Griff. Ich wollte mich gern auch literarisch mit dem Thema Pandemie und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft beschäftigen und habe deshalb John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“ für mich entdeckt. In dem 2015 geschriebenen Roman geht um eine Pandemie und eine globale Krise. Ein junger Mann wird eines Tages am Strand eines kleines Dorfes angespült und rettet im Laufes des Romans erst einen Wal und dann das ganze Dorf. Wie reagieren Gemeinschaften auf Krisen, diese Frage stellt John Ironmonger in seinem Buch und der Autor gibt eine zuversichtliche Antwort: Die Welt entdeckt ihre Fähigkeit zur Menschlichkeit wieder. Ein tröstliches Buch, gerade wenn man sich dieser Tage öfter fragt, wann die Pandemie endlich vorbei ist und halbwegs normales Leben wieder möglich sein wird.

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Lange hat Erling Kagge sich mit diesen drei Fragen beschäftigt. Angeregt durch Freunde und Wegbegleiter wie Marina Abramoviã, Jon Fosse, Elon Musk und Oliver Sacks, ist er in seinem Buch zu dreiunddreißig Antworten gekommen. Entstanden ist ein Wegweiser für den modernen Menschen auf seiner Suche nach Stille, Ruhe, Frieden – überall dort, wo es laut ist. „Stille“ ist ein kleines, feines Buch, mit schönen Bildern illustriert, das lange nachhält und einem dabei hilft, in dieser Zeit mental gesund zu bleiben.

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Mit einem der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis, allein die Vögel sind ihr Kompass. In „Zugvögel“ beschreibt Charlotte McConaghy die Reise und Suche einer jungen Klimaaktivistin nach den letzten Küstenseeschwalben und damit auch nach Hoffnung auf Rettung der Natur und aussterbenden Tiere.

John Ironmonger „Der Wal und das Ende der Welt“, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2019, 480 Seiten, 22 Euro

Erling Kagge, „Stille. Ein Wegweiser“, Insel Verlag, 2017, 144 Seiten, 14 Euro

Charlotte McConaghy, „Zugvögel“, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2020, 400 Seiten , 22 Euro

Siri Hustvedt, „Memories of the Future“, Simon & Schuster, 2019, 318 Seiten, 27 Dollar

Meine Bücher im Dezember

Im Dezember habe ich neben Weihnachtsgans und Plätzchen nur vier Bücher geschafft zu lesen. Besonders Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“ hat bei mir lange nachgewirkt.

Mingels schreibt in kurzen Kapiteln von einer brüchigen amerikanischen Kleinstadtidylle und von Menschen auf der beständigen Suche nach Nähe und Geborgenheit. Die Menschen, um die es geht, haben es entweder zu etwas gebracht oder stehen am Beginn vielversprechender Karrieren. Mingels erzählt vom Leben der amerikanischen Mittelschicht allerdings ohne politischen Bezug. Ihre Protagonisten leben in abgesicherten Verhältnissen, Geld ist nicht das Problem. Die Unzufriedenheit und das Ungenügen scheinen in den Menschen selbst verankert zu sein. Immer wieder haben sie das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Die vorläufige Lebensbilanz, die sie ziehen, fällt kaum je zur Zufriedenheit aus. Manche wollen ausbrechen aus den bisherigen Lebensbahnen, merken jedoch, dass die einmal eingeschlagenen Wege nicht einfach umkehrbar sind.

Rolf Lapperts „Nach Hause schwimmen“ ist ebenfalls eine Leseempfehlung. Lappert erzählt vom nur 1,50m großen Wilbur scheint vom Pech verfolgt. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, seine Großmutter bei einem Unfall und sein bester Freund kommt in eine Besserungsanstalt. Erst die eigensinnige Aimee hilft ihm, sein Leben selbst in den Hand zu nehmen. Die Geschichte ist herzerwärmend und genau das Richtige für die dunklen, kalten Januartage.

Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“, Penguin Verlag, München 2020, 348 Seiten, 20 Euro

Rolf Lappert, „Nach Hause schwimmen“, Hanser Verlag, 2008, 450 Seiten, 12 Euro

Joceline Saucier, „Was dir bleibt“, Insel, Berlin 2020, 253 Seiten, 22,70 Euro

Stefan Bachmann, „Palast der Finsternis“, diogenes Verlag, 2019, 400 Seiten, 12. Euro

Meine Bücher im November

Nun ist der Dezember schon wieder halb ins Land gegangen bevor ich dazu gekommen bin, meinen November-Rückblick zu schreiben.

Wenn ich gerade so auf meine Lektüre schaue, dann fällt mir auf, dass es wieder einmal neue Authorinnen sind, die ich für mich entdeckt habe. Lily King hatte mich bereits mit „Lovers and Writers“ gut unterhalten, so dass ich gern ihr Debut „Euphoria“ lesen wollte. Hier ist das Thema und Setting völlig anders. Während es in „Lover & Writers“ um eine junge, mittellose Frau auf dem Weg zur Schriftstellerin geht, stehen bei „Euphoria“ drei Ethnologen in Südamerika im Vordergrund. Die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson – stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Das ist spannend zu lesen auch wenn mich das Setting nicht wirklich gepackt hat.

Wirklich begeistert hat mich im November Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“. In diesem Roman geht es nur oberflächlich um die Anschauungen der alternden Lehrerin Inge Lohmark nach der Wende. Vielmehr ist der Roman werden im Roman die Themen unserer Zeit: Überalterung, Bildung, Klimawende angerissen, ohne allerdings werten oder zu urteilen. Das Buch ist sehr schön aufgemacht und besticht durch filigrane Illustrationen diverser Tiere. Definitiv eine Leseempfehlung und ich freue mich schon auf die anderen Bücher von Judith Schalansky.

Hier sind nun alle Bücher im November:

Candice Carty-Williams „Queenie“; Aufbau Verlag; 2020; 544 Seiten, 24 Euro

Elsa Koester „Couscous mit Zimt“; Frankfurter Verlagsanstalt 2020; 448 Seiten; 24 Euro

Elisabeth Gilbert „City of Girls“; Fischer Verlag; 2020; 496 Seiten, 17 Euro

Judith Schalansky „Der Hals der Giraffe“. Bildungsroman; Suhrkamp Verlag; Berlin 2011; 222 Seiten; 10 Euro

Lily King „Euphoria“; C.H. Beck; 2015; 262 Seiten, 12 Euro

Meine Bücher im Oktober

Der Oktober war lesetechnisch wieder eine wilde Mischung: Ein spannender Krimi von Jónasson, zwei sehr unterschiedliche Familienromane, ein Lebensratgeber und „Tschudi“, das für mich irgendwie in keine Schublade passt.

In „Tschudi“ erzählt Mariam Kühsel-Hussaini vom Kampf um die Kunst an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Held des Romans ist der Berliner Museumsdirektor Hugo von Tschudi, der Werke der Moderne von Manet, Monet oder Renoir nach Berlin holte.

Durch ihre poetisch-expressiven Sprache wirkt der ganze Roman wie ein Gemälde. Die Sätze leuchten wie Farben und man kann die einzelnen Szenen wie Bilder vorm eigenen Auge entstehen sehen. Ein wunderbares Buch, definitiv lesenswert.

Meine Bücher im Oktober:

Mariam Kühsel-Hussaini „Tschudi“; Rowohlt; Hamburg 2020; 320 Seiten; 24 Euro

David Grossmann „Was Nina wusste“; Hanser Verlag; 2020; 352 Seiten; 25 Euro

Ragnar Jónasson; „Nebel“; btb; 2020; 352 Seiten; 15 Euro

James Mc Cain; „Mildred Pierce“; Arche Verlag; 2019; 416 Seiten; 15 Euro

Gretchen Rubin; „Das Happiness Projekt“; Fischer Verlag; 2011; 377 Seiten; 11 Euro

Michael Christie; „Das Flüstern der Bäume“; Randomhouse; 2020; 560 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im September

Der September war wieder ein leseintensiver Monat für mich und es waren auch schon ein paar Neuerscheinungen aus dem Herbstprogramm dabei.

Neben den wunderbar spannenden Krimis von Zoe Beck oder auch Cay Rademacher haben mich diesmal vor allem Benjamin Meyers „Offene See“ und Ewald Arenz „Alte Sorten“ beeindruckt. Benjamin Meyers erzählt die Geschichte des jungen Robert, der nach dem Ende des 2. Weltkriegs aus seinem Dorf in England auszieht, um zur Küste zu wandern und auf dem Weg die wunderbar eigensinnige Dulcie Piper trifft, die ihn aufnimmt und mit Genuss und Poesie sein Leben nachhaltig verändert. Myers Sprache ist sehr bildhaft und voller detailverliebter Naturbeschreibungen. Auch wenn der Ausgang der Geschichte vorhersagbar ist, habe ich mich doch gern von ihrem Sog einnehmen lassen.

Ewald Arenz erzählt in „Alte Sorten“ von den zarten Banden einer sich entwickelnden, ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Frauen. Die ziemlich zornige 17-jährige Sally ist aus einer Klinik für Essgestörte getürmt – und zieht ziellos durch unterfränkische Weinberge. Dort trifft sie Bäuerin Liss. Diese nimmt Sally ohne große Worte bei sich auf. Nach und nach bauen die beiden über die gemeinsame Arbeit auf dem Hof eine Verbindung zueinander auf, die allerdings jäh gestört wird als Sally unabsichtlich eine existenzielle Krise bei Liss auslöst. Mit „Alte Sorten“ ist Ewald Arenz ein beglückend schönes Buch gelungen. Mit feiner Psychologie in der Figurenzeichnung, einer sich langsam aufbauenden Spannung und von großer stilistischer Kunstfertigkeit. Ein kleines Meisterwerk.

Hier sind alle meine gelesenen Bücher vom September:

Benjamin Meyers; „Offene See“; DuMont Buchverlag, Köln 2020; 270 Seiten; 20 Euro

Sayaka Murata; „Das Seidenraupenzimmer“; Aufbau Verlag, Berlin 2020; 256 Seiten, 20 Euro

Ragnar Jónasson; „Insel“; btb Verlag; 384 Seiten; 15 Euro

Gythia Lodge; „Bis ihr sie findet“; Hoffmann & Campe; 2019; 400 Seiten; 15 Euro

Ewald Arenz; „Alte Sorten“; Köln 2019; DuMont Verlag; 266 Seiten; 20 Euro

Zsuzsa Bánk; „Sterben im Sommer“; S. Fischer Verlag; 2020; 240 Seiten; 22 Euro

Cay Rademacher; „Ein letzter Sommer in Méjean“; Dumont 2019; 463 Seiten; 22 Euro

Zoe Beck; „Die Lieferantin“; suhrkamp taschenbuch; 2017; 347 Seiten; 15 Euro

Wolfgang Büscher; „Heimkehr“; 2020; Rowohlt Berlin; 204 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im August

Der August war lesetechnisch ein wilder Ritt durch Marzahn, Süddeutschland, Paris, den mittleren Westen und New York. Und auch genre-technisch war einiges dabei: Krimi, Kurzgeschichten, Coming of Age Roman, ein biographischer Roman und einer über Männer und das Schreiben.

Dank einer lieben Freundin habe ich jetzt ein Buchabonnement und kann mich jeden Monat auf ein neues Überraschungsbuch freuen. Im August fand ich Katja Oskamps „Marzahn Mon Amour“ in meinem Briefkasten. Hier erzählt Oskamp in kurzen Geschichten von ihrem Job als Fusspflegerin und den Menschen, denen sie dabei begegnet. Es sind kurze, echte Geschichten, die das wahre Leben spiegeln (welches man manchmal in Berlin Mitte lebend, vergisst).

Lily Kings „Writers and Lovers“ mochte ich sehr, weil es das Schreiben, das Ringen um Sätze und Kapitel so schön beschreibt. Casey, die Protagonistin, versucht nach dem Tod ihrer Mutter und dem Ende einer Beziehung wieder ins Leben zurückzufinden. Das Schreiben ist ihr Anker, ihre Konstante.

Ein spannender Krimi war im August auch noch dabei. Peter Grandls „Turmschatten“ ist ein echter Pageturner und behandelt zudem ein sehr zeitgemäßes Thema der rechtsextremistischen Gewalt in Deutschland.

Hier sind meine Bücher des Monats August:

Lily King; „Writers & Lovers“; C.H. Beck; 320 Seiten; 24 Euro

Giulia Becker; „Das Leben ist eins der Härtesten“; Rowohlt Verlag, 224 Seiten; 9.95 Euro

Peter Grandl; „Turmschatten“; Eulenspiegel/Das neue Berlin, 592 Seiten, 25 Euro

Katja Oskamp; „Marzahn Mon Amour“; Hanser Berlin; 2019; 143 Seiten; 16,00 Euro

Deborah Feldmann; „Unorthodox“; Secession Verlag für Literatur 2016; 319 Seiten; 22 Euro

Whitney Scharer; „Die Zeit des Lichts“; Klett-Cotta Verlag 2019; 392 Seiten; 22 Euro