Meine Bücher im Januar

Es ist Ende Januar und die Corona Pandemie hat unser Leben weiterhin fest im Griff. Ich wollte mich gern auch literarisch mit dem Thema Pandemie und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft beschäftigen und habe deshalb John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“ für mich entdeckt. In dem 2015 geschriebenen Roman geht um eine Pandemie und eine globale Krise. Ein junger Mann wird eines Tages am Strand eines kleines Dorfes angespült und rettet im Laufes des Romans erst einen Wal und dann das ganze Dorf. Wie reagieren Gemeinschaften auf Krisen, diese Frage stellt John Ironmonger in seinem Buch und der Autor gibt eine zuversichtliche Antwort: Die Welt entdeckt ihre Fähigkeit zur Menschlichkeit wieder. Ein tröstliches Buch, gerade wenn man sich dieser Tage öfter fragt, wann die Pandemie endlich vorbei ist und halbwegs normales Leben wieder möglich sein wird.

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Lange hat Erling Kagge sich mit diesen drei Fragen beschäftigt. Angeregt durch Freunde und Wegbegleiter wie Marina Abramoviã, Jon Fosse, Elon Musk und Oliver Sacks, ist er in seinem Buch zu dreiunddreißig Antworten gekommen. Entstanden ist ein Wegweiser für den modernen Menschen auf seiner Suche nach Stille, Ruhe, Frieden – überall dort, wo es laut ist. „Stille“ ist ein kleines, feines Buch, mit schönen Bildern illustriert, das lange nachhält und einem dabei hilft, in dieser Zeit mental gesund zu bleiben.

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Mit einem der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis, allein die Vögel sind ihr Kompass. In „Zugvögel“ beschreibt Charlotte McConaghy die Reise und Suche einer jungen Klimaaktivistin nach den letzten Küstenseeschwalben und damit auch nach Hoffnung auf Rettung der Natur und aussterbenden Tiere.

John Ironmonger „Der Wal und das Ende der Welt“, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2019, 480 Seiten, 22 Euro

Erling Kagge, „Stille. Ein Wegweiser“, Insel Verlag, 2017, 144 Seiten, 14 Euro

Charlotte McConaghy, „Zugvögel“, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2020, 400 Seiten , 22 Euro

Siri Hustvedt, „Memories of the Future“, Simon & Schuster, 2019, 318 Seiten, 27 Dollar

Meine Bücher im Dezember

Im Dezember habe ich neben Weihnachtsgans und Plätzchen nur vier Bücher geschafft zu lesen. Besonders Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“ hat bei mir lange nachgewirkt.

Mingels schreibt in kurzen Kapiteln von einer brüchigen amerikanischen Kleinstadtidylle und von Menschen auf der beständigen Suche nach Nähe und Geborgenheit. Die Menschen, um die es geht, haben es entweder zu etwas gebracht oder stehen am Beginn vielversprechender Karrieren. Mingels erzählt vom Leben der amerikanischen Mittelschicht allerdings ohne politischen Bezug. Ihre Protagonisten leben in abgesicherten Verhältnissen, Geld ist nicht das Problem. Die Unzufriedenheit und das Ungenügen scheinen in den Menschen selbst verankert zu sein. Immer wieder haben sie das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Die vorläufige Lebensbilanz, die sie ziehen, fällt kaum je zur Zufriedenheit aus. Manche wollen ausbrechen aus den bisherigen Lebensbahnen, merken jedoch, dass die einmal eingeschlagenen Wege nicht einfach umkehrbar sind.

Rolf Lapperts „Nach Hause schwimmen“ ist ebenfalls eine Leseempfehlung. Lappert erzählt vom nur 1,50m großen Wilbur scheint vom Pech verfolgt. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, seine Großmutter bei einem Unfall und sein bester Freund kommt in eine Besserungsanstalt. Erst die eigensinnige Aimee hilft ihm, sein Leben selbst in den Hand zu nehmen. Die Geschichte ist herzerwärmend und genau das Richtige für die dunklen, kalten Januartage.

Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“, Penguin Verlag, München 2020, 348 Seiten, 20 Euro

Rolf Lappert, „Nach Hause schwimmen“, Hanser Verlag, 2008, 450 Seiten, 12 Euro

Joceline Saucier, „Was dir bleibt“, Insel, Berlin 2020, 253 Seiten, 22,70 Euro

Stefan Bachmann, „Palast der Finsternis“, diogenes Verlag, 2019, 400 Seiten, 12. Euro

Meine Bücher im November

Nun ist der Dezember schon wieder halb ins Land gegangen bevor ich dazu gekommen bin, meinen November-Rückblick zu schreiben.

Wenn ich gerade so auf meine Lektüre schaue, dann fällt mir auf, dass es wieder einmal neue Authorinnen sind, die ich für mich entdeckt habe. Lily King hatte mich bereits mit „Lovers and Writers“ gut unterhalten, so dass ich gern ihr Debut „Euphoria“ lesen wollte. Hier ist das Thema und Setting völlig anders. Während es in „Lover & Writers“ um eine junge, mittellose Frau auf dem Weg zur Schriftstellerin geht, stehen bei „Euphoria“ drei Ethnologen in Südamerika im Vordergrund. Die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson – stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Das ist spannend zu lesen auch wenn mich das Setting nicht wirklich gepackt hat.

Wirklich begeistert hat mich im November Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“. In diesem Roman geht es nur oberflächlich um die Anschauungen der alternden Lehrerin Inge Lohmark nach der Wende. Vielmehr ist der Roman werden im Roman die Themen unserer Zeit: Überalterung, Bildung, Klimawende angerissen, ohne allerdings werten oder zu urteilen. Das Buch ist sehr schön aufgemacht und besticht durch filigrane Illustrationen diverser Tiere. Definitiv eine Leseempfehlung und ich freue mich schon auf die anderen Bücher von Judith Schalansky.

Hier sind nun alle Bücher im November:

Candice Carty-Williams „Queenie“; Aufbau Verlag; 2020; 544 Seiten, 24 Euro

Elsa Koester „Couscous mit Zimt“; Frankfurter Verlagsanstalt 2020; 448 Seiten; 24 Euro

Elisabeth Gilbert „City of Girls“; Fischer Verlag; 2020; 496 Seiten, 17 Euro

Judith Schalansky „Der Hals der Giraffe“. Bildungsroman; Suhrkamp Verlag; Berlin 2011; 222 Seiten; 10 Euro

Lily King „Euphoria“; C.H. Beck; 2015; 262 Seiten, 12 Euro

Meine Bücher im Oktober

Der Oktober war lesetechnisch wieder eine wilde Mischung: Ein spannender Krimi von Jónasson, zwei sehr unterschiedliche Familienromane, ein Lebensratgeber und „Tschudi“, das für mich irgendwie in keine Schublade passt.

In „Tschudi“ erzählt Mariam Kühsel-Hussaini vom Kampf um die Kunst an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Held des Romans ist der Berliner Museumsdirektor Hugo von Tschudi, der Werke der Moderne von Manet, Monet oder Renoir nach Berlin holte.

Durch ihre poetisch-expressiven Sprache wirkt der ganze Roman wie ein Gemälde. Die Sätze leuchten wie Farben und man kann die einzelnen Szenen wie Bilder vorm eigenen Auge entstehen sehen. Ein wunderbares Buch, definitiv lesenswert.

Meine Bücher im Oktober:

Mariam Kühsel-Hussaini „Tschudi“; Rowohlt; Hamburg 2020; 320 Seiten; 24 Euro

David Grossmann „Was Nina wusste“; Hanser Verlag; 2020; 352 Seiten; 25 Euro

Ragnar Jónasson; „Nebel“; btb; 2020; 352 Seiten; 15 Euro

James Mc Cain; „Mildred Pierce“; Arche Verlag; 2019; 416 Seiten; 15 Euro

Gretchen Rubin; „Das Happiness Projekt“; Fischer Verlag; 2011; 377 Seiten; 11 Euro

Michael Christie; „Das Flüstern der Bäume“; Randomhouse; 2020; 560 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im September

Der September war wieder ein leseintensiver Monat für mich und es waren auch schon ein paar Neuerscheinungen aus dem Herbstprogramm dabei.

Neben den wunderbar spannenden Krimis von Zoe Beck oder auch Cay Rademacher haben mich diesmal vor allem Benjamin Meyers „Offene See“ und Ewald Arenz „Alte Sorten“ beeindruckt. Benjamin Meyers erzählt die Geschichte des jungen Robert, der nach dem Ende des 2. Weltkriegs aus seinem Dorf in England auszieht, um zur Küste zu wandern und auf dem Weg die wunderbar eigensinnige Dulcie Piper trifft, die ihn aufnimmt und mit Genuss und Poesie sein Leben nachhaltig verändert. Myers Sprache ist sehr bildhaft und voller detailverliebter Naturbeschreibungen. Auch wenn der Ausgang der Geschichte vorhersagbar ist, habe ich mich doch gern von ihrem Sog einnehmen lassen.

Ewald Arenz erzählt in „Alte Sorten“ von den zarten Banden einer sich entwickelnden, ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Frauen. Die ziemlich zornige 17-jährige Sally ist aus einer Klinik für Essgestörte getürmt – und zieht ziellos durch unterfränkische Weinberge. Dort trifft sie Bäuerin Liss. Diese nimmt Sally ohne große Worte bei sich auf. Nach und nach bauen die beiden über die gemeinsame Arbeit auf dem Hof eine Verbindung zueinander auf, die allerdings jäh gestört wird als Sally unabsichtlich eine existenzielle Krise bei Liss auslöst. Mit „Alte Sorten“ ist Ewald Arenz ein beglückend schönes Buch gelungen. Mit feiner Psychologie in der Figurenzeichnung, einer sich langsam aufbauenden Spannung und von großer stilistischer Kunstfertigkeit. Ein kleines Meisterwerk.

Hier sind alle meine gelesenen Bücher vom September:

Benjamin Meyers; „Offene See“; DuMont Buchverlag, Köln 2020; 270 Seiten; 20 Euro

Sayaka Murata; „Das Seidenraupenzimmer“; Aufbau Verlag, Berlin 2020; 256 Seiten, 20 Euro

Ragnar Jónasson; „Insel“; btb Verlag; 384 Seiten; 15 Euro

Gythia Lodge; „Bis ihr sie findet“; Hoffmann & Campe; 2019; 400 Seiten; 15 Euro

Ewald Arenz; „Alte Sorten“; Köln 2019; DuMont Verlag; 266 Seiten; 20 Euro

Zsuzsa Bánk; „Sterben im Sommer“; S. Fischer Verlag; 2020; 240 Seiten; 22 Euro

Cay Rademacher; „Ein letzter Sommer in Méjean“; Dumont 2019; 463 Seiten; 22 Euro

Zoe Beck; „Die Lieferantin“; suhrkamp taschenbuch; 2017; 347 Seiten; 15 Euro

Wolfgang Büscher; „Heimkehr“; 2020; Rowohlt Berlin; 204 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im August

Der August war lesetechnisch ein wilder Ritt durch Marzahn, Süddeutschland, Paris, den mittleren Westen und New York. Und auch genre-technisch war einiges dabei: Krimi, Kurzgeschichten, Coming of Age Roman, ein biographischer Roman und einer über Männer und das Schreiben.

Dank einer lieben Freundin habe ich jetzt ein Buchabonnement und kann mich jeden Monat auf ein neues Überraschungsbuch freuen. Im August fand ich Katja Oskamps „Marzahn Mon Amour“ in meinem Briefkasten. Hier erzählt Oskamp in kurzen Geschichten von ihrem Job als Fusspflegerin und den Menschen, denen sie dabei begegnet. Es sind kurze, echte Geschichten, die das wahre Leben spiegeln (welches man manchmal in Berlin Mitte lebend, vergisst).

Lily Kings „Writers and Lovers“ mochte ich sehr, weil es das Schreiben, das Ringen um Sätze und Kapitel so schön beschreibt. Casey, die Protagonistin, versucht nach dem Tod ihrer Mutter und dem Ende einer Beziehung wieder ins Leben zurückzufinden. Das Schreiben ist ihr Anker, ihre Konstante.

Ein spannender Krimi war im August auch noch dabei. Peter Grandls „Turmschatten“ ist ein echter Pageturner und behandelt zudem ein sehr zeitgemäßes Thema der rechtsextremistischen Gewalt in Deutschland.

Hier sind meine Bücher des Monats August:

Lily King; „Writers & Lovers“; C.H. Beck; 320 Seiten; 24 Euro

Giulia Becker; „Das Leben ist eins der Härtesten“; Rowohlt Verlag, 224 Seiten; 9.95 Euro

Peter Grandl; „Turmschatten“; Eulenspiegel/Das neue Berlin, 592 Seiten, 25 Euro

Katja Oskamp; „Marzahn Mon Amour“; Hanser Berlin; 2019; 143 Seiten; 16,00 Euro

Deborah Feldmann; „Unorthodox“; Secession Verlag für Literatur 2016; 319 Seiten; 22 Euro

Whitney Scharer; „Die Zeit des Lichts“; Klett-Cotta Verlag 2019; 392 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im Juli

Drei Bücher sind es im Juli nur geworden. Aber drei Bücher, die es in sich haben und mich alle stark berührt haben.

Anika Deckers „Wir von der anderen Seite“ lässt vermutlich keinen kalt und die vielen, positiven fast schon euphorischen kurzen Blurbs auf dem Cover sind zur Abwechslung mal nicht übertrieben. Die Protagonistin Rahel Wald erwacht nach einem schweren Unfall aus dem Koma und muss Schritt für Schritt erst mal wieder ins Leben zurückfinden. Das tut sie lustig, albern, manchmal traurig aber vor allem unendlich ehrlich zu sich selbst und dem Leser. Rahel ist einem als Leser sehr sehr nah und man fühlt und lebt ihre Genesung mit allen Rückschlägen und Zweifeln mit.

Man spürt beim Lesen auch, dass die Autorin aus dem Fernsehen kommt. Einige Szenen sieht man bildlich vor Augen und könnte man direkt in einen Fernsehfilm übersetzen. Ich bin gespannt und würde ihn mir in jedem Fall anschauen.

Zoe Beck ist für mich die Krimi Neuentdeckung des Jahres 2020 bisher. „Paradise City“ ist eine Dystopie, die in der nahen Zukunft in Deutschland spielt. Die meisten Menschen wohnen in Mega-Cities and sind Teil eines Gesundheitssystems, das sie gleichzeitig überwacht und beschützt. Die Protagonistin Liina, Journalistin bei einem unabhängigen Nachrichtenportal, wird in die Uckermark geschickt, um eine Geschichte einer tot im Wald aufgefunden Frau, zu recherchieren. Dies setzt Ereignisse in Gang, die am Ende bis ins Herz des regierenden Systems führen.

„Paradise City“ ist Ein fesselnder Thriller. Die Figuren sind sehr plastisch ausgearbeitet und die Bilder, die beim Lesen entstehen, wirken cineastisch. Das Szenario ist erschreckend glaubwürdig und vor dem Hintergrund der Corona Pandemie fast erschreckend aktuell. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, ihr Buch „Die Lieferantin“ zu lesen.

Anika Decker „Wir von der anderen Seite“, Ullstein Verlag, 2019, 10 Euro

Zoe Beck, „Paradise City“, Suhrkamp, 2020, 16 Euro

Paolo Giordano, „Den Himmel stürmen“, Rowohlt Verlag, 2018, 528 Seiten, 22,00 Euro

Meine Bücher im Juni

Nun ist der Juli schon wieder halb vorbei bevor ich es geschafft habe, meine Juni Bücher zu besprechen. Time flies. Auch zu Post-Corona-Zeiten. Der erste Urlaub nach Monaten, mein Geburtstag, so viel kam dazwischen. Deshalb gibt es diesen Monat nur die Titel und keine langen Rezensionen. Obwohl ein paar Worte will ich doch zu Kate Kirkpatricks Buch über Simone de Beauvoir verlieren, weil ich es so großartig finde. Kirkpatrick nähert sich Simone de Beauvoir als Philosophin und erzählt dadurch ihr ungeheuerliches Leben. Simone de Beauvoir war eine der einflussreichsten Intellektuellen des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihr Buch »Das andere Geschlecht« hat die Art und Weise, wie wir über Geschlechtergrenzen denken, für immer verändert. Dennoch wurde ihr Leben weitgehend falsch dargestellt und zutiefst missverstanden. Kate Kirkpatrick greift auf bisher unveröffentlichte Tagebücher und Briefe zurück, und gibt einen spannenden Einblick in Beauvoirs Beziehungen, ihre Philosophie der Freiheit und der Liebe und ihr Ringen darum, sie selbst werden zu dürfen. Das ist unbedingt lesenswert.

Hier sind meine weiteren Bücher des Monats Juni:

Kate Kirkpatrick, „Simone de Beauvoir: Ein modernes Leben“, Piper Verlag, 2020, 528 Seiten, 25 Euro

Eugen Ruge; „Metropol“; Rowohlt Verlag, Hamburg 2019, 431 Seiten, 24,- Euro

Ayobami Adebayo, „Bleib bei mir“, Piper Verlag, München, 352 Seiten, 22 Euro

Kate Kirpatrick, „Simone de Beauvoir: Ein modernes Leben“, Piper Verlag, 2020, 528 Seiten, 25 Euro

Ragnar Jonasson, „Dunkel“, btb, 2020, 384 Seiten, 15 Euro

Jørn Lier Horst, „Wisting und der Tag der Vermissten“, Piper, 2017, 384 Seiten, 15 Euro

Reni Eddo-Lodge, „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“, Tropen Verlag, 2020, 272 Seiten, 10 Euro

Meine Bücher im Mai

Im Mai habe ich eine neue Lesegewohnheit für mich entdeckt. Da ich eine Zeit lang auf Sport verzichten muss, habe ich angefangen, morgens im Bett schon ein halbe Stunde zu lesen. Es ist schön, direkt nach dem Aufwachen in eine Geschichte einzutauchen und damit den Tag zu beginnen. Und ich lese mehr. Das hat sich dann auch auf meine Bücher im Mai ausgewirkt.

Der Mai begann mit einem Krimi. Jeanine Cummins erzählt die packende Geschichte einer jungen mexikanischen Mutter, die mit ihrem Sohn in die USA flieht, nachdem ihre gesamte Familie von einem Drogenkartell ermordet wurde. Man fiebert 500 Seiten mit Lydia mit auf ihrer Flucht durch Mexiko, verfolgt von den Männern des Kartells, immer ungewiss, ob sie und ihr kleiner Sohn es schaffen werden. Die Geschichte ist wirklich spannend erzählt. Erst nach der Lektüre haben ich gelernt, dass das Buch in den USA sehr kontrovers diskutiert wurde. Kritiker sprechen Cummins mehr oder weniger das Recht und die Kompetenz ab, als nicht Mexikanerin diese Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Ich würde sagen: Macht euch selbst ein Bild.

Angetan hat es mir im Mai auch die „Paardialogie“ von Roche und ihrem Mann. Im Buch sind die Podcast-Gespräche der beiden über ihre Beziehung zusammengefasst. Die beiden haben sich über Monate jeden Freitag in ihrer Ankleidekammer zum Gespräch getroffen und dabei ihre Beziehung erzählt und analysiert. Das ist nicht nur amüsant und kurzweilig, sondern auch oft lehrreich und inspirierend. Man erfährt viel über das Kennenlernen, die Hochzeit, ihr Patchwork-Familie aber auch über ihre Unterschiede und Krisen. Das ist lesenswert, egal ob man gerade in einer Beziehung ist oder nicht.

Last but not least „Untamed“ von Glennon Doyle. Ich habe Glennon Doyle ebenfalls über ein Podcast-Gespräch mit Gwyneth Paltrow entdeckt und war sofort schwer von ihr angetan. „Untamed“ ist ihr mittlerweile drittes autobiographisches Buch. Sie erzählt darin, wie sie die Krisen ihres Lebens überwindet und zu sich selbst findet. Das tut sie mit ganz viel Mut, Humor und Vertrauen auf sich selbst. Bisher nur auf englisch erschienen, kann ich es dennoch sehr empfehlen.

Jeanine Cummins: American Dirt. Roman. Übersetzt von Katharina Naumann. Rowohlt rororo. 560 Seiten, 15 Euro

Charlotte Roche, Martin Keß-Roche: „Paardiologie. Das Beziehungs-Buch“, Piper Verlag, München 2020, 304 Seiten, 18 Euro

Berit Glanz, „Pixeltänzer“; Schöffling + Co.; 2020; 256 Seiten; 18 Euro

Isabelle Autissier; „Klara vergessen“; mare; 2020; 304 Seiten; 20 Euro

Glennon Doyle, „Untamed“; The Dial Press, 352 Seiten; 28 Dollar

Meine Bücher im April

Nun ist der April gefühlt schon wieder ewig her und ich komme erst jetzt dazu, meine Lektüre hier zu teilen. Im letzten Monat war von allem etwas dabei: eine spannende Biographie über Elon Musk, ein Familienroman, der im Libanon spielt, eine Entwicklungsgeschichte zweier Schwestern und ein spannender Roman über eine Kleinstadt in den USA, in der jeder seine Geheimnisse zu wahren versucht.

Am nachhaltigsten haben mich Angie Kims „Miracle Creek“ und Katya Apekinas „Je tiefer das Wasser“ beeindruckt. Es sind beides Debütromane zweier toller neuer Autorinnen. In „Miracle Creek“ erzählt Angie Kim von einer Kleinstadt in der eine Gruppe von Menschen über eine Sauerstoff-Therapie miteinander verbunden ist. Das Buch beginnt mit einem Unglück. Der Sauerstofftank geht in Flammen auf, zwei Menschen sterben und die Mutter des toten Henry findet sich auf der Anklagebank wegen Brandstiftung wieder. In den folgenden Kapiteln werden Stück für Stück die Geheimnisse aller beteiligten Personen enthüllt und am Ende natürlich die Frage beantwortet, ob die richtige Person auf der Anklagebank sitzt. „Miracle Creek“ ist ein spannender Kleinstadtroman, der die Persönlichkeiten und Motive der handelnden Personen sehr genau ausleuchtet, dabei trotzdem warmherzig bleibt, so dass man mit den handelnden Protagonisten mitfühlen kann.

Katya Apekinas „Je tiefer die Wasser“ ist anders. In ihrem Debüt erzählt Apekina die Geschichte zweier Schwestern, die nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter bei ihrem Vater in New York langen. Die beiden stolpern von einer toxischen Beziehung in die Nächste. Der Vater Dennis Lormack ist ein erfolgreicher aber auch getriebener Schriftsteller. Für seine Werke beutet er seine persönlichen Beziehungen aus und auch Mae, die jüngere Schwester gerät in diesen Bann der Abhängigkeit, während Eddie, die Ältere, sich distanziert und irgendwann wieder in die Heimat zurück geht. Es geht um schwierige Familienbeziehungen, Kultur und New York. Der aus verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen geschriebene Roman entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Hier sind alle meine Bücher vom April:

Angie Kim; „Miracle Creek“; Hanser Blau; 2020; 220 Seiten; 22 Euro

Katya Apekina; „Je tiefer das Wasser“; Suhrkamp, Berlin 2020; 400 Seiten; 24 Euro

Pierre Jarawan: „Ein Lied für die Vermissten“; Piper Verlag 2020; 464 Seiten; 22 Euro

Jasmin Schreiber; „Marianengraben“; Eichborn; 254 Seiten; 20 Euro

Fran Ross: „Oreo“; DTV, München 2019; 290 Seiten; 22 Euro

Ashlee Vance; „Elon Musk“; FinanzBuch Verlag; 2015; 384 Seiten; 20 Euro