Meine Bücher im April

Der April war ein sehr lesefauler Monat für mich. Ich war viel auf Reisen, habe auf einem Roadtrip zunächst die Nationalparks in den USA erkundet und später die kroatische Natur. Dabei gab es so viel zu Entdecken und Aufzunehmen, dass ich gar nicht das Bedürfnis nach einem guten Lesestoff verspürt habe.

So sind es am Ende nur zwei Bücher geworden, die ich diesen Monat gelesen habe: „Becoming“ von Michelle Obama und „Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling. Beide Bücher könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwar erzählen beide aus ihrem Leben, Michelle autobiographisch und Anke Stelling rein fiktional aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Michelle Obama erzählt berührend, ehrlich und unterhaltsam ihre Lebensgeschichte. Die Geschichte einer Aufsteigerin, die durch Höhen und Tiefen gegangen ist. Dabei bleibt sie immer nah bei sich selbst und optimistisch ausgerichtet. Am bemerkenswertesten fand ich die Tatsache, wie hart sie für ihre Karriere von klein auf gelernt und gearbeitet hat und dann sich dann ihr Erfolg als Top-Juristin doch nicht richtig und erfüllend anfühlt. Wie sie dann den Mut findet, einen anderen beruflichen Weg, schlechter bezahlt aber näher an ihren Wünschen und Werten dran, einzuschlagen, finde ich beeindruckend. Und gut erzählt. 500 Seiten von denen jede lesenswert ist.

Michelle Obama, Becoming. Meine Geschichte; Goldmann Verlag, München 2018; 544 Seiten, 26 Euro

Anke Stelling hält in „Schäfchen im Trockenen“ der eigenen Generation radikal den Spiegel vor: Es ist eine wütende, manchmal auch verzweifelte Abrechnung mit einer Midlife-crisis-geschüttelten Generation, die einst mit großen linksliberalen Träumen nach Berlin kamen und sich nun doch in der konservativen Realität niederlassen.

«Wir wollten einander davor bewahren, gescheit im Sinne von rücksichtslos, erwachsen im Sinne von überfordert, verheiratet im Sinne von eingesperrt und Eltern im Sinne von paternalistisch zu werden», schreibt Resi über ihren Freundeskreis, der seit Schulzeiten – also knapp drei Jahrzehnten – bestand. Diese Freundschaft hält der neuen Realität nicht stand und bricht auseinander. Die einstigen Freunde kündigen Resi wegen ihrer erbarmungslosen Analysen über die Lügen des Bionade-Bürgertums die Freundschaft – und letztlich auch noch den Untermietvertrag für die günstige Wohnung in der Innenstadt. Dieses Buch ist ein wütender, manchmal schmerzhafter Blick in den Spiegel und für mich auch ein Appell, die eigenen Träume und Ideale einmal wieder anzuschauen.

Dieses Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Zu recht, wie ich finde.

Anke Stelling, Schäfchen im Trockenen, Verbrecher Verlag, Berlin, 266 Seiten, 22 Euro

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