Meine Bücher im März

Es sind besondere Zeiten, in denen wir derzeit leben. Der Corona Virus hat uns alle fest im Griff und unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Während ich im März viel gelesen habe, schaffe ich es erst jetzt, zu Beginn dieses langen Osterwochenendes, auch von meinen Leseerlebnissen zu berichten.

Dass es im März ganze sieben Bücher geworden sind, liegt auch daran, dass ich eine neue Leseroutine entwickelt habe. Ich lese jetzt morgens zu meinem ersten Kaffee immer schon ein paar Seiten bevor es dann an den Schreibtisch (oder auch Esstisch) im Home Office aka Wohnzimmer geht.

Begonnen habe ich den Monat mit Liz Moores „Long bright River“, weil ich endlich mal wieder einen guten Krimi lesen wollte. Ich kann sagen, meine Erwartungen wurden erfüllt. Die Geschichte der beiden Schwestern Mickey und Kacey, die seit Jahren kein Wort mehr miteinander sprechen, eng verbunden mit einer Mordserie an Prostituierten in Philadelphia ist ein Pageturner und hält die Spannung bis zur letzten Minute.

Danach bin ich literarisch in meine Heimatstadt Chemnitz gereist. Paula Irmschlers „Superbusen“ ist witzig, unterhaltsam und niemals kitschig. Es ist die Coming of Age Geschichte von Gisela, die zum Studieren nach Chemnitz geht und dort neue Freunde und vor allem sich findet. Vor allem aber ist es auch eine Geschichte über Chemnitz, eine Stadt, die die die meisten so ganz anders kennen. In diesem Buch ist Chemnitz ein Sehnsuchtsort. Mutig, einzigartig, fantastisch. Da zitiere ich gern noch mal Margarete Stokowski vom Klappentext: „Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch.“

Damit wären wir dann auch schon bei Margarete Stokowskis „Untenrum frei“. Die Empfehlung eines Freundes und bisher eine echte Lücke in meiner Leselandschaft. Stokowski teilt diverse scharfsichtige Beobachtungen aus dem Alltagsleben, die im Kleinen belegen, warum es mit der „sexuellen Befreiung“ und der Geschlechter-Gerechtigkeit so weit noch nicht her ist. „Die Autovermietung, die zu Werbezwecken einen jungen Mann lasziv an einer Kühlerhaube knabbern lässt, muss erst noch gegründet werden“, ist so ein typischer Stokowski-Satz. Und von denen gibt es viele in diesem leicht zugänglichen und gut fundiertem Buch.

Zum Schluss noch ein Blick auf zwei Bücher, die derzeit im Feuilleton oft miteinander in Verbindung gebracht werden. Leif Randts „Allegro Pastell“, in diesem Jahr erschienen und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und Christian Krachts „Faserland“, 1995 veröffentlicht und gern als Begründung einer neuen Form von Pop-Literatur gedeutet. Beide Bücher erzählen von hippen Menschen ohne echte Sorgen auf der Suche nach der nächsten Party, Drogen und Achtsamkeit. Damit reihen sich beide in den Kanon der deutschen Gegenwartsliteratur ein. Spannend ist, sie hintereinander zu lesen und so zu sehen, wie sich die Elemente der Popkultur über die Zeit verändert haben.

Hier sind meine gesammelten Bücher vom März:

Christian Kracht, „Faserland“, FISCHER Verlag, 2015, 9,99 Euro

Leif Randt, „Allegro Pastell“, Kiepenheuer & Witsch, 2020, 288 Seiten, 22,00 Euro

Liz Moore „Long bright River“, C.H. Beck, 2020, 414 Seiten, 24 Euro

Ocean Vuong: „Auf Erden sind wir kurz grandios“; Hanser, München 2019; 240 Seiten, 22 Euro

Paula Irmschler „Superbusen“, Claassen Verlag, 2020, 320 Seiten, 20 Euro

Kristina Köhler „Schöner als überall“, Suhrkamp Nova, 2019, 219 Seiten, 18 Euro

Margarete Stokowski „Untenrum frei“, Rowohlt Verlag, 2016, 20 Euro

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