Meine Bücher im Oktober

Der Oktober war lesetechnisch wieder eine wilde Mischung: Ein spannender Krimi von Jónasson, zwei sehr unterschiedliche Familienromane, ein Lebensratgeber und „Tschudi“, das für mich irgendwie in keine Schublade passt.

In „Tschudi“ erzählt Mariam Kühsel-Hussaini vom Kampf um die Kunst an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Held des Romans ist der Berliner Museumsdirektor Hugo von Tschudi, der Werke der Moderne von Manet, Monet oder Renoir nach Berlin holte.

Durch ihre poetisch-expressiven Sprache wirkt der ganze Roman wie ein Gemälde. Die Sätze leuchten wie Farben und man kann die einzelnen Szenen wie Bilder vorm eigenen Auge entstehen sehen. Ein wunderbares Buch, definitiv lesenswert.

Meine Bücher im Oktober:

Mariam Kühsel-Hussaini „Tschudi“; Rowohlt; Hamburg 2020; 320 Seiten; 24 Euro

David Grossmann „Was Nina wusste“; Hanser Verlag; 2020; 352 Seiten; 25 Euro

Ragnar Jónasson; „Nebel“; btb; 2020; 352 Seiten; 15 Euro

James Mc Cain; „Mildred Pierce“; Arche Verlag; 2019; 416 Seiten; 15 Euro

Gretchen Rubin; „Das Happiness Projekt“; Fischer Verlag; 2011; 377 Seiten; 11 Euro

Michael Christie; „Das Flüstern der Bäume“; Randomhouse; 2020; 560 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im September

Der September war wieder ein leseintensiver Monat für mich und es waren auch schon ein paar Neuerscheinungen aus dem Herbstprogramm dabei.

Neben den wunderbar spannenden Krimis von Zoe Beck oder auch Cay Rademacher haben mich diesmal vor allem Benjamin Meyers „Offene See“ und Ewald Arenz „Alte Sorten“ beeindruckt. Benjamin Meyers erzählt die Geschichte des jungen Robert, der nach dem Ende des 2. Weltkriegs aus seinem Dorf in England auszieht, um zur Küste zu wandern und auf dem Weg die wunderbar eigensinnige Dulcie Piper trifft, die ihn aufnimmt und mit Genuss und Poesie sein Leben nachhaltig verändert. Myers Sprache ist sehr bildhaft und voller detailverliebter Naturbeschreibungen. Auch wenn der Ausgang der Geschichte vorhersagbar ist, habe ich mich doch gern von ihrem Sog einnehmen lassen.

Ewald Arenz erzählt in „Alte Sorten“ von den zarten Banden einer sich entwickelnden, ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Frauen. Die ziemlich zornige 17-jährige Sally ist aus einer Klinik für Essgestörte getürmt – und zieht ziellos durch unterfränkische Weinberge. Dort trifft sie Bäuerin Liss. Diese nimmt Sally ohne große Worte bei sich auf. Nach und nach bauen die beiden über die gemeinsame Arbeit auf dem Hof eine Verbindung zueinander auf, die allerdings jäh gestört wird als Sally unabsichtlich eine existenzielle Krise bei Liss auslöst. Mit „Alte Sorten“ ist Ewald Arenz ein beglückend schönes Buch gelungen. Mit feiner Psychologie in der Figurenzeichnung, einer sich langsam aufbauenden Spannung und von großer stilistischer Kunstfertigkeit. Ein kleines Meisterwerk.

Hier sind alle meine gelesenen Bücher vom September:

Benjamin Meyers; „Offene See“; DuMont Buchverlag, Köln 2020; 270 Seiten; 20 Euro

Sayaka Murata; „Das Seidenraupenzimmer“; Aufbau Verlag, Berlin 2020; 256 Seiten, 20 Euro

Ragnar Jónasson; „Insel“; btb Verlag; 384 Seiten; 15 Euro

Gythia Lodge; „Bis ihr sie findet“; Hoffmann & Campe; 2019; 400 Seiten; 15 Euro

Ewald Arenz; „Alte Sorten“; Köln 2019; DuMont Verlag; 266 Seiten; 20 Euro

Zsuzsa Bánk; „Sterben im Sommer“; S. Fischer Verlag; 2020; 240 Seiten; 22 Euro

Cay Rademacher; „Ein letzter Sommer in Méjean“; Dumont 2019; 463 Seiten; 22 Euro

Zoe Beck; „Die Lieferantin“; suhrkamp taschenbuch; 2017; 347 Seiten; 15 Euro

Wolfgang Büscher; „Heimkehr“; 2020; Rowohlt Berlin; 204 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im August

Der August war lesetechnisch ein wilder Ritt durch Marzahn, Süddeutschland, Paris, den mittleren Westen und New York. Und auch genre-technisch war einiges dabei: Krimi, Kurzgeschichten, Coming of Age Roman, ein biographischer Roman und einer über Männer und das Schreiben.

Dank einer lieben Freundin habe ich jetzt ein Buchabonnement und kann mich jeden Monat auf ein neues Überraschungsbuch freuen. Im August fand ich Katja Oskamps „Marzahn Mon Amour“ in meinem Briefkasten. Hier erzählt Oskamp in kurzen Geschichten von ihrem Job als Fusspflegerin und den Menschen, denen sie dabei begegnet. Es sind kurze, echte Geschichten, die das wahre Leben spiegeln (welches man manchmal in Berlin Mitte lebend, vergisst).

Lily Kings „Writers and Lovers“ mochte ich sehr, weil es das Schreiben, das Ringen um Sätze und Kapitel so schön beschreibt. Casey, die Protagonistin, versucht nach dem Tod ihrer Mutter und dem Ende einer Beziehung wieder ins Leben zurückzufinden. Das Schreiben ist ihr Anker, ihre Konstante.

Ein spannender Krimi war im August auch noch dabei. Peter Grandls „Turmschatten“ ist ein echter Pageturner und behandelt zudem ein sehr zeitgemäßes Thema der rechtsextremistischen Gewalt in Deutschland.

Hier sind meine Bücher des Monats August:

Lily King; „Writers & Lovers“; C.H. Beck; 320 Seiten; 24 Euro

Giulia Becker; „Das Leben ist eins der Härtesten“; Rowohlt Verlag, 224 Seiten; 9.95 Euro

Peter Grandl; „Turmschatten“; Eulenspiegel/Das neue Berlin, 592 Seiten, 25 Euro

Katja Oskamp; „Marzahn Mon Amour“; Hanser Berlin; 2019; 143 Seiten; 16,00 Euro

Deborah Feldmann; „Unorthodox“; Secession Verlag für Literatur 2016; 319 Seiten; 22 Euro

Whitney Scharer; „Die Zeit des Lichts“; Klett-Cotta Verlag 2019; 392 Seiten; 22 Euro

Meine Bücher im Juli

Drei Bücher sind es im Juli nur geworden. Aber drei Bücher, die es in sich haben und mich alle stark berührt haben.

Anika Deckers „Wir von der anderen Seite“ lässt vermutlich keinen kalt und die vielen, positiven fast schon euphorischen kurzen Blurbs auf dem Cover sind zur Abwechslung mal nicht übertrieben. Die Protagonistin Rahel Wald erwacht nach einem schweren Unfall aus dem Koma und muss Schritt für Schritt erst mal wieder ins Leben zurückfinden. Das tut sie lustig, albern, manchmal traurig aber vor allem unendlich ehrlich zu sich selbst und dem Leser. Rahel ist einem als Leser sehr sehr nah und man fühlt und lebt ihre Genesung mit allen Rückschlägen und Zweifeln mit.

Man spürt beim Lesen auch, dass die Autorin aus dem Fernsehen kommt. Einige Szenen sieht man bildlich vor Augen und könnte man direkt in einen Fernsehfilm übersetzen. Ich bin gespannt und würde ihn mir in jedem Fall anschauen.

Zoe Beck ist für mich die Krimi Neuentdeckung des Jahres 2020 bisher. „Paradise City“ ist eine Dystopie, die in der nahen Zukunft in Deutschland spielt. Die meisten Menschen wohnen in Mega-Cities and sind Teil eines Gesundheitssystems, das sie gleichzeitig überwacht und beschützt. Die Protagonistin Liina, Journalistin bei einem unabhängigen Nachrichtenportal, wird in die Uckermark geschickt, um eine Geschichte einer tot im Wald aufgefunden Frau, zu recherchieren. Dies setzt Ereignisse in Gang, die am Ende bis ins Herz des regierenden Systems führen.

„Paradise City“ ist Ein fesselnder Thriller. Die Figuren sind sehr plastisch ausgearbeitet und die Bilder, die beim Lesen entstehen, wirken cineastisch. Das Szenario ist erschreckend glaubwürdig und vor dem Hintergrund der Corona Pandemie fast erschreckend aktuell. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, ihr Buch „Die Lieferantin“ zu lesen.

Anika Decker „Wir von der anderen Seite“, Ullstein Verlag, 2019, 10 Euro

Zoe Beck, „Paradise City“, Suhrkamp, 2020, 16 Euro

Paolo Giordano, „Den Himmel stürmen“, Rowohlt Verlag, 2018, 528 Seiten, 22,00 Euro

Meine Bücher im Juni

Nun ist der Juli schon wieder halb vorbei bevor ich es geschafft habe, meine Juni Bücher zu besprechen. Time flies. Auch zu Post-Corona-Zeiten. Der erste Urlaub nach Monaten, mein Geburtstag, so viel kam dazwischen. Deshalb gibt es diesen Monat nur die Titel und keine langen Rezensionen. Obwohl ein paar Worte will ich doch zu Kate Kirkpatricks Buch über Simone de Beauvoir verlieren, weil ich es so großartig finde. Kirkpatrick nähert sich Simone de Beauvoir als Philosophin und erzählt dadurch ihr ungeheuerliches Leben. Simone de Beauvoir war eine der einflussreichsten Intellektuellen des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihr Buch »Das andere Geschlecht« hat die Art und Weise, wie wir über Geschlechtergrenzen denken, für immer verändert. Dennoch wurde ihr Leben weitgehend falsch dargestellt und zutiefst missverstanden. Kate Kirkpatrick greift auf bisher unveröffentlichte Tagebücher und Briefe zurück, und gibt einen spannenden Einblick in Beauvoirs Beziehungen, ihre Philosophie der Freiheit und der Liebe und ihr Ringen darum, sie selbst werden zu dürfen. Das ist unbedingt lesenswert.

Hier sind meine weiteren Bücher des Monats Juni:

Kate Kirkpatrick, „Simone de Beauvoir: Ein modernes Leben“, Piper Verlag, 2020, 528 Seiten, 25 Euro

Eugen Ruge; „Metropol“; Rowohlt Verlag, Hamburg 2019, 431 Seiten, 24,- Euro

Ayobami Adebayo, „Bleib bei mir“, Piper Verlag, München, 352 Seiten, 22 Euro

Kate Kirpatrick, „Simone de Beauvoir: Ein modernes Leben“, Piper Verlag, 2020, 528 Seiten, 25 Euro

Ragnar Jonasson, „Dunkel“, btb, 2020, 384 Seiten, 15 Euro

Jørn Lier Horst, „Wisting und der Tag der Vermissten“, Piper, 2017, 384 Seiten, 15 Euro

Reni Eddo-Lodge, „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“, Tropen Verlag, 2020, 272 Seiten, 10 Euro

Meine Bücher im Mai

Im Mai habe ich eine neue Lesegewohnheit für mich entdeckt. Da ich eine Zeit lang auf Sport verzichten muss, habe ich angefangen, morgens im Bett schon ein halbe Stunde zu lesen. Es ist schön, direkt nach dem Aufwachen in eine Geschichte einzutauchen und damit den Tag zu beginnen. Und ich lese mehr. Das hat sich dann auch auf meine Bücher im Mai ausgewirkt.

Der Mai begann mit einem Krimi. Jeanine Cummins erzählt die packende Geschichte einer jungen mexikanischen Mutter, die mit ihrem Sohn in die USA flieht, nachdem ihre gesamte Familie von einem Drogenkartell ermordet wurde. Man fiebert 500 Seiten mit Lydia mit auf ihrer Flucht durch Mexiko, verfolgt von den Männern des Kartells, immer ungewiss, ob sie und ihr kleiner Sohn es schaffen werden. Die Geschichte ist wirklich spannend erzählt. Erst nach der Lektüre haben ich gelernt, dass das Buch in den USA sehr kontrovers diskutiert wurde. Kritiker sprechen Cummins mehr oder weniger das Recht und die Kompetenz ab, als nicht Mexikanerin diese Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Ich würde sagen: Macht euch selbst ein Bild.

Angetan hat es mir im Mai auch die „Paardialogie“ von Roche und ihrem Mann. Im Buch sind die Podcast-Gespräche der beiden über ihre Beziehung zusammengefasst. Die beiden haben sich über Monate jeden Freitag in ihrer Ankleidekammer zum Gespräch getroffen und dabei ihre Beziehung erzählt und analysiert. Das ist nicht nur amüsant und kurzweilig, sondern auch oft lehrreich und inspirierend. Man erfährt viel über das Kennenlernen, die Hochzeit, ihr Patchwork-Familie aber auch über ihre Unterschiede und Krisen. Das ist lesenswert, egal ob man gerade in einer Beziehung ist oder nicht.

Last but not least „Untamed“ von Glennon Doyle. Ich habe Glennon Doyle ebenfalls über ein Podcast-Gespräch mit Gwyneth Paltrow entdeckt und war sofort schwer von ihr angetan. „Untamed“ ist ihr mittlerweile drittes autobiographisches Buch. Sie erzählt darin, wie sie die Krisen ihres Lebens überwindet und zu sich selbst findet. Das tut sie mit ganz viel Mut, Humor und Vertrauen auf sich selbst. Bisher nur auf englisch erschienen, kann ich es dennoch sehr empfehlen.

Jeanine Cummins: American Dirt. Roman. Übersetzt von Katharina Naumann. Rowohlt rororo. 560 Seiten, 15 Euro

Charlotte Roche, Martin Keß-Roche: „Paardiologie. Das Beziehungs-Buch“, Piper Verlag, München 2020, 304 Seiten, 18 Euro

Berit Glanz, „Pixeltänzer“; Schöffling + Co.; 2020; 256 Seiten; 18 Euro

Isabelle Autissier; „Klara vergessen“; mare; 2020; 304 Seiten; 20 Euro

Glennon Doyle, „Untamed“; The Dial Press, 352 Seiten; 28 Dollar

Meine Bücher im April

Nun ist der April gefühlt schon wieder ewig her und ich komme erst jetzt dazu, meine Lektüre hier zu teilen. Im letzten Monat war von allem etwas dabei: eine spannende Biographie über Elon Musk, ein Familienroman, der im Libanon spielt, eine Entwicklungsgeschichte zweier Schwestern und ein spannender Roman über eine Kleinstadt in den USA, in der jeder seine Geheimnisse zu wahren versucht.

Am nachhaltigsten haben mich Angie Kims „Miracle Creek“ und Katya Apekinas „Je tiefer das Wasser“ beeindruckt. Es sind beides Debütromane zweier toller neuer Autorinnen. In „Miracle Creek“ erzählt Angie Kim von einer Kleinstadt in der eine Gruppe von Menschen über eine Sauerstoff-Therapie miteinander verbunden ist. Das Buch beginnt mit einem Unglück. Der Sauerstofftank geht in Flammen auf, zwei Menschen sterben und die Mutter des toten Henry findet sich auf der Anklagebank wegen Brandstiftung wieder. In den folgenden Kapiteln werden Stück für Stück die Geheimnisse aller beteiligten Personen enthüllt und am Ende natürlich die Frage beantwortet, ob die richtige Person auf der Anklagebank sitzt. „Miracle Creek“ ist ein spannender Kleinstadtroman, der die Persönlichkeiten und Motive der handelnden Personen sehr genau ausleuchtet, dabei trotzdem warmherzig bleibt, so dass man mit den handelnden Protagonisten mitfühlen kann.

Katya Apekinas „Je tiefer die Wasser“ ist anders. In ihrem Debüt erzählt Apekina die Geschichte zweier Schwestern, die nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter bei ihrem Vater in New York langen. Die beiden stolpern von einer toxischen Beziehung in die Nächste. Der Vater Dennis Lormack ist ein erfolgreicher aber auch getriebener Schriftsteller. Für seine Werke beutet er seine persönlichen Beziehungen aus und auch Mae, die jüngere Schwester gerät in diesen Bann der Abhängigkeit, während Eddie, die Ältere, sich distanziert und irgendwann wieder in die Heimat zurück geht. Es geht um schwierige Familienbeziehungen, Kultur und New York. Der aus verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen geschriebene Roman entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Hier sind alle meine Bücher vom April:

Angie Kim; „Miracle Creek“; Hanser Blau; 2020; 220 Seiten; 22 Euro

Katya Apekina; „Je tiefer das Wasser“; Suhrkamp, Berlin 2020; 400 Seiten; 24 Euro

Pierre Jarawan: „Ein Lied für die Vermissten“; Piper Verlag 2020; 464 Seiten; 22 Euro

Jasmin Schreiber; „Marianengraben“; Eichborn; 254 Seiten; 20 Euro

Fran Ross: „Oreo“; DTV, München 2019; 290 Seiten; 22 Euro

Ashlee Vance; „Elon Musk“; FinanzBuch Verlag; 2015; 384 Seiten; 20 Euro

Leif Randt „Allegro Pastell“

„Vorauseilende Wehmut. Bester Zustand“

Tanja Arnheim in „Allegro Pastell“

Leif Randts „Allegro Pastell“ ist sicher einer der Spitzentitel des Frühjahrs und erhielt bereits viel Aufmerksamkeit in den Feuilletons dieses Landes. Vom „virtuos lauwarmen Meisterwerk“ (Süddeutsche Zeitung) bis hin zu dem Roman der Millennial Generation (DIE ZEIT) reichen die positiven Rezensionen. Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte selbst lesen und mir eine Meinung bilden.

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: eine Liebesgeschichte zwischen Tanja und Jerome, eine Fernbeziehung zwischen Berlin und der Maintal Region in drei Akten. Er ist Mitte 30, sie knapp darunter, er lebt als freier Webdesigner in der hessischen Provinz in der Nähe von Frankfurt, sie als Schriftstellerin in Berlin, mit erstem kleinen Ruhm für ihr Romandebüt namens „PanoptikumNeu!“.

Und es ist eine Fernbeziehung, wie man sie selbst gern führen würde. Alles zwischen den beiden ist ausgewogen und wohl temperiert. Die Vorfreude vor den Wochenenden, die Zeit, die sie gemeinsam beim Badminton, Feiern mit Freunden oder ihrer gemeinsamen Teezeremonie verbringen. Von der Selbstdarstellung per Selfie auf Instagram oder Twitter, dem gesteuerten Drogenkonsum auf Parties bis hin zur betont lässigen Wertschätzung für das Budget-Equipment der Sportartikel-Kette Decathlon, zieht sich die Selbstreflexion und Optimierung de Protagonisten als zentrales Thema durch den Roman. Die Popkultur der Millenials ist in Allegro Pastell gut ausgeleuchtet. Da ist schön anzusehen und zu lesen, wirklich emotional mit nimmt es einen allerdings nicht. Selbst als die Beziehung der beiden am Ende scheitert, geht es dramatisch nicht über 70 Grad hinaus. Wohltemperiert und reflektiert bis zum Schluss.

Meine Bücher im März

Es sind besondere Zeiten, in denen wir derzeit leben. Der Corona Virus hat uns alle fest im Griff und unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Während ich im März viel gelesen habe, schaffe ich es erst jetzt, zu Beginn dieses langen Osterwochenendes, auch von meinen Leseerlebnissen zu berichten.

Dass es im März ganze sieben Bücher geworden sind, liegt auch daran, dass ich eine neue Leseroutine entwickelt habe. Ich lese jetzt morgens zu meinem ersten Kaffee immer schon ein paar Seiten bevor es dann an den Schreibtisch (oder auch Esstisch) im Home Office aka Wohnzimmer geht.

Begonnen habe ich den Monat mit Liz Moores „Long bright River“, weil ich endlich mal wieder einen guten Krimi lesen wollte. Ich kann sagen, meine Erwartungen wurden erfüllt. Die Geschichte der beiden Schwestern Mickey und Kacey, die seit Jahren kein Wort mehr miteinander sprechen, eng verbunden mit einer Mordserie an Prostituierten in Philadelphia ist ein Pageturner und hält die Spannung bis zur letzten Minute.

Danach bin ich literarisch in meine Heimatstadt Chemnitz gereist. Paula Irmschlers „Superbusen“ ist witzig, unterhaltsam und niemals kitschig. Es ist die Coming of Age Geschichte von Gisela, die zum Studieren nach Chemnitz geht und dort neue Freunde und vor allem sich findet. Vor allem aber ist es auch eine Geschichte über Chemnitz, eine Stadt, die die die meisten so ganz anders kennen. In diesem Buch ist Chemnitz ein Sehnsuchtsort. Mutig, einzigartig, fantastisch. Da zitiere ich gern noch mal Margarete Stokowski vom Klappentext: „Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch.“

Damit wären wir dann auch schon bei Margarete Stokowskis „Untenrum frei“. Die Empfehlung eines Freundes und bisher eine echte Lücke in meiner Leselandschaft. Stokowski teilt diverse scharfsichtige Beobachtungen aus dem Alltagsleben, die im Kleinen belegen, warum es mit der „sexuellen Befreiung“ und der Geschlechter-Gerechtigkeit so weit noch nicht her ist. „Die Autovermietung, die zu Werbezwecken einen jungen Mann lasziv an einer Kühlerhaube knabbern lässt, muss erst noch gegründet werden“, ist so ein typischer Stokowski-Satz. Und von denen gibt es viele in diesem leicht zugänglichen und gut fundiertem Buch.

Zum Schluss noch ein Blick auf zwei Bücher, die derzeit im Feuilleton oft miteinander in Verbindung gebracht werden. Leif Randts „Allegro Pastell“, in diesem Jahr erschienen und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und Christian Krachts „Faserland“, 1995 veröffentlicht und gern als Begründung einer neuen Form von Pop-Literatur gedeutet. Beide Bücher erzählen von hippen Menschen ohne echte Sorgen auf der Suche nach der nächsten Party, Drogen und Achtsamkeit. Damit reihen sich beide in den Kanon der deutschen Gegenwartsliteratur ein. Spannend ist, sie hintereinander zu lesen und so zu sehen, wie sich die Elemente der Popkultur über die Zeit verändert haben.

Hier sind meine gesammelten Bücher vom März:

Christian Kracht, „Faserland“, FISCHER Verlag, 2015, 9,99 Euro

Leif Randt, „Allegro Pastell“, Kiepenheuer & Witsch, 2020, 288 Seiten, 22,00 Euro

Liz Moore „Long bright River“, C.H. Beck, 2020, 414 Seiten, 24 Euro

Ocean Vuong: „Auf Erden sind wir kurz grandios“; Hanser, München 2019; 240 Seiten, 22 Euro

Paula Irmschler „Superbusen“, Claassen Verlag, 2020, 320 Seiten, 20 Euro

Kristina Köhler „Schöner als überall“, Suhrkamp Nova, 2019, 219 Seiten, 18 Euro

Margarete Stokowski „Untenrum frei“, Rowohlt Verlag, 2016, 20 Euro

Lesen in Zeiten von Corona

Es sind verrückte und unsichere Zeiten, in denen wir momentan leben. Die Corona Krise hat uns fest im Grill und stellt unser (Alltags-)Leben ordentlich auf den Kopf. Plötzlich arbeiten wir von zuhause, dürfen nur noch für`s Notwendigste raus und sind angehalten, unsere sozialen Kontakte auf das Minimum zu reduzieren. #socialdistancing

Was für uns als Menschen schon im Kleinen eine krasse Umstellung ist, ist für die Buchbranche eine große Herausforderung, die für einige sicher auch schon existenzbedrohend ist oder es werden kann. Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt, andere regionale Literaturfestivals stehen kurz davor. Mittlerweile haben die meisten Buchläden geschlossen oder nur noch zum Abholen bestellter Ware auf. Die klassischen Möglichkeiten der Vorstellungen und Positionierungen neuer Titel des Frühjahrsprogramms fallen mit einem Schlag weg. Kein Messeauftritt, keine Lesung, kein Stöbern mehr im Lieblingsbuchladen. Apropos Buchladen. Viele kleine unabhängige Buchläden haben noch keine Online-Präsenz und damit auch keine Möglichkeit, die Umsatzausfälle aus dem Ladengeschäft abzufedern. Das geht ziemlich schnell an die Substanz, denn die Margen sind gering.

Doch hier und da gibt es auch kleine Zeichen der Hoffnung, denn BuchhändlerInnen werden mutig und erfinderisch und probieren neue Ansätze aus. So liefert zum Beispiel die Buchhandlung Uslar & Rai mittlerweile bestellte Bücher per Fahrrad aus, stellen BuchhändlerInnen neue Bücher per kurzer Story auf Facebook oder Instagram vor oder beraten Kunden per Facetime. Wie BuchhändlerInnen sich auf die neue Situation einstellen, hat Maria vom OCELOT in Berlin Mitte dem RBB Fernsehen erzählt. Sehen könnt ihr das Ganze hier.

Auch Autoren und Verlage werden kreativ und nutzen verstärkt die digitalen Medien, um den Kontakt zu ihren Kunden und Lesern nicht zu verlieren. So liest Buchpreis Gewinner Saša Stanišić per Instagram Live aus seinen Büchern vor (ein Video davon gibt es hier). Der Ullstein Verlag wird alle ab Ende März erscheinenden neuen Bücher zunächst nur noch in digitaler Form als eBook herausbringen.

Nun ist es an uns LeserInnen und BuchkäuferInnen, die Autoren, Verlage und kleinen, unabhängigen Buchhandlungen zu unterstützen. Lest und kauft weiter Bücher bei euren lokalen Buchhandlungen egal ob noch im Laden oder online wie zum Beispiel bei geniallokal, der als Online-Shop für über 650 unabhängige Buchhandlungen fungiert und über 10 Millionen Bücher im Angebot hat. #supportyourlocalbookshop